Robert S. Hartman

Leben

Robert S. Hartman war jüdischer Herkunft und studierte Jura in Deutschland, Politik-wissenschaft in Paris und Wirtschaft in London.

 

1938 floh er vor dem Nazi-Regime und immigrierte zuerst nach Mexiko und 1942 in die USA, um dort seine wissenschaft- liche Arbeit aufzunehmen.

 

Hartman promovierte 1946 in Philosophie an der Northwestern University in Illinois. Nach zahlreichen


Lehraufträgen und Gastprofessuren, u. a. am Massachusetts Institute of Technology und an der Yale University, lehrte und forschte er bis zu seinem Tode 1973 jeweils halbjährlich an der University of Tennessee in Knoxville und der Universidad Nacional Autónoma de México.

 

Robert S. Hartman blieb neben seinen wissenschaftlichen Arbeiten auch stets der Unternehmenswelt verbunden, z. B. durch Beratung und Publikationen. Er gilt als der Vater des profit-share-Gedankens in den USA und unterstützte so maßgeblich die Beteiligung der Belegschaft an den Unternehmensgewinnen, auch mit Hilfe von Pensionseinzahlungen. In den 1960er und 1970er Jahren war er stark beeinflusst vom Kalten Krieg und der Gefahr der Vernichtung der Menschheit durch Nuklearwaffen. Er stand mit zahlreichen politischen Größen in der ganzen Welt in Kontakt, um Möglichkeiten eines dauerhaften Friedens zu fördern. In seinem letzten Lebensjahr war er für den Friedensnobelpreis nominiert.

 

Wissenschaftliche Arbeit

Die mathematisch exakte Wertewissenschaft stand im Zentrum von Hartmans Wirken als Wissenschaftler. Die Gräueltaten der Nazis waren der ausschlaggebende Grund dafür, dass sich Robert S. Hartman in seiner zweiten Lebenshälfte ganz der Forschung des „Guten“ widmete. Ihn trieb die Frage um, warum in der Geschichte stets die brutalen und menschenverachtenden Herrscher die Mächtigeren zu sein schienen. Menschliches Leben erachtete er selbst für unendlich wertvoll.

 

Er wollte ein Formalkonzept des Guten entwickeln, um dadurch das ethisch-moralische Denken und Handeln des Menschen auf ein exaktes und hohes Niveau zu bringen – ähnlich wie es die Naturwissenschaften mit ihren technischen Entwicklungen seit mehr als 500 Jahren mit Hilfe der Axiome von Isaac Newton und anderen erreicht hatten. Das „Gute“ würde mithin gestärkt, um dem „Bösen“ besser Paroli bieten zu können.

 

Sein Streben nach einer besseren, werteorientierten Welt legt das folgende Zitat dar: "Ich dachte mir, wenn das Böse so effizient (durch die Nazis) organisiert werden kann, warum dann nicht auch das Gute? Gibt es irgendeinen Grund dafür, dass Effizienz nur durch die bösen Kräfte auf der Welt monopolosiert ist? Warum ist es so schwierig, das Gute zu organisieren? Warum haben gute Menschen in der Geschichte scheinbar weniger Macht gahabt als schlechte Menschen? Ich habe mich dafür entschieden, einen Weg zu finden, warum das so ist und mein Leben dem Bestreben zu widmen, daran etwas zu ändern."

 

Das von Robert S. Hartman entwickelte Axiom der Wertewissenschaft hat die formale Definition des „Guten“ zum Gegenstand: „Gut ist, was sein Konzept erfüllt.“ (Good is concept fulfillment). Dadurch gelang es ihm unabhängig von unterschiedlichen moralisch-sittlichen Wertvorstellungen eine exakte Wissenschaft der Werte aufbauen. Das mathematisch formulierte Axiom bezieht sich auf die Eigenschaften (properties) eines Objekts bzw. Subjekts, sei es ein gedankliches Konstrukt, ein Gegenstand oder ein Mensch. Je mehr Eigenschaften bei einem Objekt festzustellen sind, desto wertvoller ist es. Sein mathematisch formuliertes Axiom lautet:

Vx = 2n – 1

Der Wert (Value = V) von „Etwas“, sei es Objekt oder Subjekt (x) entspricht der Basis 2 hoch n, das die Anzahl der Eigenschaften des „Etwas“ angibt, minus eins.

 

Hartman hat daraus drei unterschiedliche „Wertedimensionen“ abgeleitet: die intrinsische (menschliche), die extrinsische (gegenständliche) und die systemische (formale / konzeptionelle) Dimension. Aus der Kombination dieser Dimensionen lassen sich nun sowohl Alltagsbegriffe als auch komplizierte Zusammenhänge oder Situationen mit mathematischen Formeln darstellen, die auf der Wertewissenschaft basieren.

 

Die Wertedimensionen lassen sich mit Hilfe der Cantor’schen Mengenlehre mathematisch darstellen. So wird es möglich, Werte und Wertungen exakt zu messen bzw. voneinander abzugrenzen. Eine Bewertung im Sinne von Gut oder Schlecht ist so vergleichbar möglich.

 

Praktische Anwendung

Aus der mathematischen Berechnung der Werte entwickelte Hartman eine praktisch-operative Anwendung seiner Forschungen, die heute als das Hartman Value Profile (HVP) bekannt ist. Dieses psychometrische – genau genommen wertemetrische – Verfahren erfasst das persönliche Wertesystem eines Probanden und lässt valide Rückschlüsse auf seine Einstellungen, Persönlichkeitseigenschaften und damit sein Verhalten zu.

 

Durch das zweimalige Ordnen von Rangreihen mit jeweils 18 Aussagen können die genannten Eigenschaften in einer Weise gemessen werden, die eine Manipulation des Probanden ausschließt. Aus diesem Grund eignet sich das HVP für den Einsatz in der Personalauswahl, Personalentwicklung sowie im Coaching.

 

Das HVP ist durch zahlreiche, auch internationale Validierungsstudien wissenschaftlich untermauert. Im europäischen Raum werden Applikationen des HVP erst seit kurzem angeboten.